Wachsen sehen…

An einem hellen Februartag machten sich die Klasse7.1 und ihre Patenklasse 5.2 wieder einmal auf den Weg zum Denkmal. Neugierig schauten sie, ob sich schon etwas tut. Und tatsächlich: Die ersten grünen Spitzen schoben sich mutig durch die kalte Erde. Die Krokusse wachsen.
Beeindruckt standen die Schülerinnen und Schüler zwischen den zarten Trieben. Was im November mit kalten Fingern gepflanzt wurde, beginnt nun zu leben. Aus kleinen Zwiebeln wächst ein gelber Blütenteppich. Ein Zeichen dafür, dass Geduld und Fürsorge sich lohnen.


Vor Ort erfuhren die Kinder nun auch, warum es genau 1500 Krokusse sind. Die Zahl erinnert an die rund 1500 jüdische Frauen, die in der Zeit des Nationalsozialismus auf einem schweren Weg von Leipzig nach Theresienstadt unter anderem über die Poststraße getrieben wurden. Viele litten während dieser Todesmärsche große Not. Manche von ihnen überlebten nicht.
Diese Geschichte macht traurig. Und doch setzen die Krokusse ein helles Zeichen dagegen. Jede Blüte steht für Erinnerung. Jede Blüte flüstert: „Wir vergessen euch nicht.“
Die leuchtenden Krokusse erinnern aber nicht nur an die Vergangenheit. Sie werden auch den ersten Bienen Nahrung schenken und den Ort am Denkmal freundlicher machen.

So verbinden sich Geschichte und Hoffnung. Aus einem dunklen Kapitel wächst etwas Helles. Und die Kinder erleben: Wer Gutes in die Erde bringt, lässt nicht nur Blumen wachsen – sondern auch Mitgefühl und Zuversicht.
Im April wird dieser Gedanke weitergetragen: Dann soll der Schneeblumengedenkweg offiziell begangen werden. Die blühenden Krokusse sind der Anfang eines Pfades, der Erinnerung und Hoffnung miteinander verbindet. Schritt für Schritt entsteht ein Ort, der zeigt, dass aus Geschichte Verantwortung wächst – und aus Verantwortung neues Leben.

C. Ogkler